Arbeitsniederlegung bei Studer Professional in Regensdorf ZH
Dienstag 22 Sep 2009 - 17:07
Rund 100 Mitarbeitende der Studer Professional Audio GmbH in Regensdorf ZH haben die Arbeit nierdergelegt. Mit einem Fest auf dem Betriebsgelände demonstrierten sie gegen die geplante Verlagerung der Produktionsstätten nach England.

Die gesamte Belegschaft habe sich der Protestaktion angeschlossen, teilte die Gewerkschaft Unia mit. In einer Resolution hätten die Betroffenen die Konzernleitung aufgefordert, die Kündigungen zurückzunehmen, alle Verlagerungsmassnahmen zu stoppen und Verhandlungen über Alternativlösungen aufzunehmen.

Laut Unia wird im Zuge des konzernweiten Sparprogramms "Step Change" in einem ersten Schritt die Produktion in Regensdorf aufgelöst und in das Unternehmen Soundcraft in England verlegt. Gefährdet würden damit auch die verbleibenden Abteilungen.

Ohne die enge Zusammenarbeit mit der Produktion in Regensdorf sei absehbar, dass auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Regensdorf in Schwierigkeiten geraten werde. Die Verlagerung der verbleibenden Abteilungen mit 65 Arbeitsplätzen sei dann nur noch eine Frage der Zeit.

Mit der Verlagerung nach England seien keine Syndergiegewinne zu erzielen, hiess es an einer Medienkoferenz. Die hochflexible und auf den einzelnen Endkunden ausgerichtete Produktion digitaler Studioeinrichtungen sei nicht mit der Soundcraft-Produktion vergleichbar. Aus betrieblicher Sicht mache die Verlagerung deshalb keinerlei Sinn.

 

DIENSTAG, 22. SEPTEMBER 2009
Regensdorf Die Mitarbeiter der Firma Studer machen auf ihre Situation aufmerksam
Mit Würsten gegen Kündigungen
Die Mitarbeiter der Firma Studer arbeiten heute Nachmittag nicht. Sie feiern ein Fest. Damit kämpfen sie – zusammen mit der Unia – gegen den Stellenabbau. Die Geschäftsleitung schweigt.
Ines Rütten


Heute Nachmittag arbeitet bei der Firma Studer in Regensdorf niemand. Die Mitarbeiter feiern – aus Protest gegen die Entlassungen. (Johanna Bossart)
Um 14 Uhr steht die Produktion der Studer Professional Audio in Regensdorf heute still. Denn die rund 100 Mitarbeiter haben beschlossen zu kämpfen – gegen die Auslagerung der Produktion nach England und somit gegen die Entlassung von rund 35 Mitarbeitern. Unterstützung für ihr Anliegen bekommen die Arbeiter von der Gewerkschaft Unia. Die Arbeit niederzulegen, sei kein Streik, betont ein Vertreter der Personalkommission, der namentlich nicht genannt werden will. Geplant sei ein Fest mit Bratwürsten und Getränken. Ausserdem würden alle Mitarbeiter die drei arbeitsfreien Stunden wieder ausgleichen. «Wir möchten mit unserer Aktion Aufmerksamkeit schaffen und der Konzernleitung zeigen, dass wir für unseren Arbeitsplatz kämpfen werden», sagt er.

Salamitaktik vermutet

Genau diese beschloss nämlich, die Produktion von Regensdorf nach England auszulagern. Die Entwicklung, der Service und das Ingenieurwesen blieben laut Karl Willi, Manager Operation der Studer, in Regensdorf («ZU»/«NBT» berichteten). Als Grund für diese Massnahme gibt die Studer konzernweite Sparbemühungen an, wie einem internen Dokument zu entnehmen ist, das der Redaktion vorliegt. Allerdings werfe die Produktion in Regensdorf laut der Unia immer noch Gewinn ab, trotzdem werde hier zugunsten des Konzerns der Rotstift angesetzt. Hinter der Auslagerung vermuten die Regensdorfer Mitarbeiter eine Salamitaktik. «Es ergibt keinen Sinn, die Produktion nach England zu schaffen, die Entwicklung und den Service aber hier zu lassen», sagt der Vertreter der Personalkommission. Er und seine Mitstreiter befürchteten, dass irgendwann alles nach England gehe und der Standort Regensdorf geschlossen werde.

Kein Kommentar aus England

Die Unia und die Personalkommission teilten der Geschäfsleitung nicht direkt mit, dass die Belegschaft die Arbeit niederlegen wird. «Wir haben aber auch kein Geheimnis darum gemacht. Es ist bekannt, dass die Aktion am Dienstag stattfinden wird», sagt der Mitarbeiter-Vertreter. Reaktionen der Geschäftsleitung auf den Stillstand bei Studer erhielt weder die Personalkommission noch die Unia. Auf Anfrage wollte in Regensdorf wie auch in England niemand zur Situation Stellung nehmen. Unklar ist, was mit den Produktionsliegenschaften in Regensdorf künftig geschehen wird.

Sicher ist, dass auch das hauseigene Studer Revox Museum per sofort geschlossen bleibt. Dem Trägerverein fehlen Mitglieder und Räume, um dieses zu erhalten.